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Curly Horse

Curly Horses sind Pferde mit Locken - sie sind nicht krank, haben kein Cushing, keine Milben - es ist eine natürliche Mutation. So wie manche Menschen Locken haben und andere nicht. Der Vorteil fürs Pferd: in kalten Wintern haben sie zusätzlichen Schutz. Der Vorteil für den Menschen: Die meisten Pferdehaarallergiker reagieren auf die Locken deutlich weniger oder gar nicht. Daher werden Curlies "hypoallergen" genannt. Man sollte sich nicht einfach darauf verlassen, es ist eine individuelle Sache - bei sehr sehr vielen Menschen funktioniert es aber. So auch bei mir! Wie schön, endlich wieder entspannt Pferdeluft schnuppern zu können!

Es gibt Labor-Untersuchungen, die zeigen keine Hypoallergenität. In der Praxis funktioniert es aber: Sehr viele Allergiker weltweit kommen mit Curlies wunderbar zurecht. Curly Horses haben ein etwas anderes Fell als die üblichen Pferderassen. Das Curly-Sommerfell ist meist glatt, ähnlich der anderen Pferde. Es fühlt sich aber gröber und fetthaltiger an, d.h. die einzelnen Haare fliegen nicht so herum. Auch nach dem putzen ist man nicht voller Pferdehaare. Beim Winterfell kommen dann -je nach Genpool- die Culy-typischen wellige Haare bzw. richtig viele Locken -die curls- zum Vorschein. Die Fohlen sind lockig wie kleine Waldschaflämmer.

Magpies Tochter Sessalaney 2016 auf Stag Creek - Foto: Barbara Carroll

Curlies haben auch Locken in den Ohren und oft stark nach oben gebogene Wimpern. Auch "feathers" an den Beine sind verbreitet. Außerdem riecht ein Curly Horse anders. Weniger. Kaum. Allergiker werden das sofort bemerken. Ich habe meine Stute Magpie durch Haarproben, in die ich meine Nase gesteckt habe, gefunden. Und weil die Familie bei mir passt, konnte auch Enkelin Peach einziehen.

Manche Curlies werden glatthaarig geboren - wenn sie rein gezogen wurden sind sie i.d.R. trotzdem hypoallergen. Sogenannte Extremcurlies haben sehr viele Locken am Leib, dafür aber wenig Schweif und Mähne (KRT 25 +/+). Für Züchter und Allergiker ein Schatz an Hypoallergenität und eine Garantie die Lockengenetik zu erhalten. Ich habe mich recht schnell an die spärlicheren Mähnen- und Schweifhaare gewöhnt - sind ja auch keine Barbie-Pferde sondern kernige und oft wunderbar bunte Indianerponies. Lockige, Extreme und Straight Curlies können innerhalb derselben Pferdefamilien wechseln.

Werden zu viele "normale" Pferde eingekreuzt, verlieren sich die Locken. Auf ein Curly-Mix Pony habe ich leicht reagiert, Nicht so stark wie auf ein übliches Pferd aber so, dass es mir unangenehm war. Daher werde ich bei den Lockigen bleiben. Ich finde auch, dass es großartig aussieht.

Vor kurzem konnte man einen Teil der Genetik der Curly Horses entschlüsseln. Die Genetiker Dr. Mitch und Bunny Reveglia aus den USA berichten von drei identifizierten Locken-Genen: dem KRT25 der Native Curlies (Warrior u.a.), dem SP6 das viele Curly-Missourie-Foxtrotter tragen (Curly-MFT) und dem Cook-Gen. Es ist auch geklärt, dass es mindestens noch 2 weitere Locken-Gene gibt, die sind jedoch noch nicht identifiziert und haben daher auch keine Namen. Es gibt aber Lockenpferde ohne SP6, ohne KRT25 und ohne Cook - also muss noch etwas anders vorhanden sein, das Locken produziert. Ein "unknown gen a" wurde entdeckt aber noch nicht entschlüsselt. Mindestens ein anderes Locken-Gen, vermutlich weitere, werden aus Rückschlüssen vermutet. Ganz so einfach ist die Genforschung nicht, es dauert und es kostet auch. Bisher wird diese Forschung aus Spenden finanziert.

Curly Horse Genetics I - youtube

Man spricht inzwischen nicht mehr von der gemeinsamen "Rasse" der Curly Horses, eher von verschiedenen lockigen Blutlinien. Einige Züchter haben das auch vor der DNA-Identifikation so betrachtet, denn schon lange werden Curlies in verschiedenen Untergruppen zusammengefasst. Bisher ist eher die Nutzung das Kriterium gewesen, doch ist der Pferdetyp (Körperbau) eng mit der Nutzung verbunden, daher passt die Genetik bei den alten Schlägen meist dazu: Warrior, Native Curlies, Curly Mustangs, Stockhorses (die klassischen mittelgroßem Ranch-, Western-, Arbeits-Pferde) haben meist KRT25. Die MFT-Curlies (Gangpferde) das SP6 Gen. Bei den Ponies und Curly Sporthorses ist beides vertreten, je nach Abstammung. Das Cook-Gen kommt recht selten vor.

Der Ursprungstyp der Curly Horses íst um die 150cm, Curly Sporthorses meist größer, Ponies kleiner bis hin zu Minis. In Europa werden Curlies oftmals mit anderen Pferderassen gekreuzt, da ist es schwieriger am Exterieur den Genpool zu erahnen. Viel der alten KRT25 (+/-) oder auch KRT25 (+/+) Curlies haben eher mittel bis wenig Mähne und Schweif und sind recht gut zu identifizieren (oft Pferde aus dem ABC-Registry).

Allen gemeinsam ist das gelockte Winterfell und dass die meisten Pferdehaarallergiker entspannt auf sie reagieren. Für Züchter wichtig: eine Kombination der verschiedenen Gene kann Nachteile für die Pferdegesundheit haben. Das Prinzip "je mehr verschiedene Lockengene desto besser", íst inzwischen überholt (also KRT25 nicht mit SP6 mischen). Auch 2 Extremcurlies (+/+) dürfen nicht verpaart werden. Weil die bisher gefundenen Curly Gene dominant vererbt werden, wird aber jedes (+/+) Pferd lockige Nachkommen haben.

Nach wie vor sind Curly Horses selten - die meisten leben in den USA. Tiere in Europa mussten teuer importiert werden. Etwa 1996 hat Gabriele Kärcher die ersten Curly Horses nach Deutschland gebracht und eine kleine Zucht im Schwarzwald aufgebaut. Dort habe ich die Curlies kennen gelernt. Inzwischen gibt es einige wenige Gestüte und diverse private Zuchten in Deutschland und Europa. Curly Sporthorses, Curly-MFTs und gelockte Freizeitpferde gibt es durchaus. Reine Damele, Warrior oder Aishihik Linien sind vorhanden, aber selten. Wer spezielle reingezogene Curly-Linien sucht, muss gut recherchieren, notfalls importieren. Hengsthaltung ist in D schwieriger, als in USA oder Frankreich. Wer sich für die Zucht interessiert sollte sich vorher gut zu Blutlinien und Genetik infomieren, dass der Match auch genetisch-gesundheitlich passt.

Geschichte

Das erste bekannte Curly Horse in den USA findet sich auf einer Zeichnung der Sioux aus dem Jahr 1801/02. Crow und Sioux haben sich die Lockenpferde wohl gegenseitig immer wieder gestohlen, sie waren sehr begehrt. Auch in anderen Gegenden tauchten schon vor vielen Jahrhunderten Lockenpferde auf: in China, Russland und auch in Europa. Was man heute Curly Horse nennt (teils auch: American Bashkir Curly Horse), stammt aus Nordamerika (USA und Canada), es sind die Lockenpferde der Natives, der Mustangherden, die Nachkommen des lockigen MFT Hengstes Curly Jim und die lockigen Damele-Pferde.

Vor 100 Jahren sind die meisten Curly Horses in den Mustangherden der amerikanischen Plains mitgelaufen und wurden genau wie die anderen Nutzpferde von ihren Reitern - egal ob Indianer oder Cowboys - herausgefangen, wenn sie gebraucht wurden. Den Rest hat die Natur erledigt. Raubtiere und unerbittliche Winter haben ein extrem zähes und auch intelligentes Pferd entstehen lassen. Eine gezielte Zucht westlicher Manier gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten. Speziell in 50er Jahren, als eiskalte Winter die Zahl der frei lebenden Pferde stark dezimierte, fielen die Lockenpferde auf. Sie überlebten besser als manch Kurzhaarpferd, doch wurde auch deutlich, wie wenige Tiere existieren. Einige dieser Curly Pferde gehörten den Dameles, einer Rancherfamilie aus Nevada - und nach diesen Extremwintern wurde klar, dass man handeln muss, wenn man die Tiere erhalten will. Benny Damele (1930-1991) kreuzte Araber-, Morgan- und Quarter-Horses mit den verbliebenen Curlies, um ihr Überleben zu sichern und sie als umgängliche und leistungsfähige Ranchhorse zu erhalten. Die Dry Creek oder 3D Curly Horses sind in vielen Ahnentafeln vertreten.

Eine andere sehr ursprüngliche Curly Linie geht auf die Züchter Eli Bad Warrior, Slim Berndt und Ernest Hamrich zurück, die diese Pferde ebenfalls liebten und mit ihnen arbeiteten. Die Pferde stehen im Stockhorse Typ, haben ein kräftiges gesundes Fundament und ein menschenfreundliches Gemüt. Diese Linie wird die "warrior" Linie genannt. Einige großartige Curly Horses stammen von dem Hengst Bad Warrior bzw. dessen Mutter Miss Berndt Warrior ab.

Miss Berndt Warrior ist Magpies Großmutter, Magpies Mutter Warrior Sue Queen eine Schwester von Bad Warrior - unsere Schwarze Elster ist also ein echtes Indianerpony und ihre Vorfahren liefen auch mal bei Sitting Bull und den Crow um die Tipis! Magpie ist auf der Stag Creek Farm in Texas geboren und stammt aus der Zucht von Barbara Carroll. Stag Creek Mikade wurde ebenfalls auf Stag Creek geboren, kam als Hengst nach Deutschland. Fairchild Moondust (Dusty) lebte zeitweise auf Stag Creek und wurde zusammen mit Mikade importiert.

ArcheRanch

Magpie Warrior ist im Januar 2017 bei uns eingezogen. Ihr letztes Fohlen, Sessalaney, hatte sie mit dem wunderschönen soothie-blue-bucksin Hengst Solen in den USA.

Kurz danach kam Magpies Enkeltochter Peach zu uns. Peach ist die einzige und dazu noch superlockige Tochter von Magpies Sohn Mikade & der Curly Stute Fairchild Moondust. Alle Pferde tragen das KRT25 Gen.

Die blue-buckskin Curlystute Fairchild Moondust (Dusty) ist wild geboren. Dustys Mutter ist eine Nakota Stute namens "Nakotas New Beginning" aus der Herde von Harold Fairchild. Deren Mutter stammt aus dem Roosevelt National Park - sie war dort eine der Nokota Foundation Stuten.

Die Nokota Pferde sind ebenfalls eine Zucht der Natives und ebenfalls sehr selten. In den USA wurden sie eher aus versehen im Theorore Rosevelt Nationalpark eingesperrt und dadurch erhalten. Zuerst versuchte man sie zu "veredeln" bzw zu Hundefutter zu verarbeiten. Als die Brüder Kunz sahen, dass die kleinen, zähen und schnellen Pferde systematisch auf Auktionen für kleines Geld an Schlachter verkauft wurden, entschlossen sie sich, alle Pferde die sie bekommen konnten aufzukaufen. Die 200 Nakotas mussten nun geweidet, gefüttert und versorgt werden, die beiden Brüder waren fortan beschäftigt genug Geld aufzutreiben, die Herde auch zu erhalten. Aus den Nakotas wurde das eigentragene Warenzeichen "Nokota" (Pferde aus Nord Dakota und der Lakota/Dakota/Nakota-Soiux). Den Kunz Brüdern ist es zu verdanken, dass es die "Nokotas" noch gibt. Inzwischen werden die Pferde auch im Nationalpark erhalten. Ebenfalls versucht die "Nokota Conservancy" mit Spenden eine größere Zuchtherde zu erhalten (mit dabei ein Teil der ehemaligen Kunz Herde). Um die Nokota Erhaltungszuchten auf breitere Basis zu stellen, sind einige dieser Pferde seit etwa 20 Jahren auch in Europa: Eine kleine private Nokota-Zucht befindet sich in Dänemark (Pionieer Farm). Das französische Nokota-Projekt der Familie Marchal (Nokota Ranch) hat sich inzwischen zu einem Zusammenschluß mehrerer Züchter entwickelt. 2024 wurde analog zum Mustang Makeover eine 100 Tage Trainingsprogramm mit anschließender Vorführung mit Nokotas organisiert, das den Pferden viel Aufmerksamkeit und neue Freunde brachte (Nokota Challenge). Nokotas sind nicht lockig und nicht hypoallergen. Es finden sich viele Roans in den Herden - blue roan, red roan, bay roan sowie alle anderen Mustangfarben.

https://www.nokotahorse.org/

https://www.kuntznokotaranch.com/

http://www.nokota-ranch.com/

Magpie und Peach

Magpie und Peach sind in den Ferienkursen dabei. Sie lieben es geputzt und massiert zu werden. Beide laufen barfuß, haben tolle Hufe und sind sehr gerne draußen. Peach hat eindeutig Mustangqualitäten: als in 2021 ein Jungwolf durchzog waren beide Pferde eines Morgens außerhalb der Weidekoppel. Was genau geschehen war, ist unbekannt. Beide waren entspannt, grasten und kamen gleich mit auf die Weide. Peach patrollierte die folgenden zwei Jahre sehr auffällig entlang des Weidezaunes, auch die eigenen Hüthunde wurden energisch verjagt. Ich vermute, der Jungwolf - nachgewiesen durch eine Fotofalle wenige Kilometer entfernt - hatte versucht, sich Zutritt zu verschaffen und die Curlystute hatte ihn von ihrem Territorium verscheucht. Auch fremde Zweibeiner duldet sie ohne meine Anwesenheit nicht auf ihrem Gelände. Beide Curlies sind Pferde, die ernst genommen werden wollen. Sie lieben Kinder, kooperieren mit vertrauten Menschen, aber sie sind keine Befehlsempfänger.

Die Sioux benennen ihre Pferde oft nach Tieren, speziell Vogelarten sind beliebt. Curly Horse Züchterin Barbara Carroll zollt dieser Tradition großen Respekt, viele ihrer Curly Horses haben indianische Namen, auch in Magpies Familie. So ist Mato Sapa der schwarze Bär, Zintkala bedeutet Vogel auf Lakota, Mikade ist eine Fasanenart und Magpie die Schwarze Elster.

Stag Creek hat leider sein Curly Zuchtprogramm nach fast 20 Jahren beendet. Wir bedanken uns für die großartigen Pferde aus Barbaras Zucht und auch für ihre schönen Fotos, die wir freundlicherweise hier verwenden dürfen.

Rick Lamb- the horse show - zu Besuch auf Stag Creek - youtube

Das ABC-Registry (American Bashkir Curly Register) startete 1971 in den USA. Das Einkreuzen andere Rassen wird inzwischen unterschiedlich bewertet und ist nicht mehr bei allen Zuchtverbänden erlaubt. Das ABC Registry gestattet zur Aufnahe nur DNA-getestete Fohlen von ABC-Curly-Eltern. Eine Ausnahme bilden Lockenpferde aus den freilaufenden Mustangherden. Diese können seit kurzem ins outcross book aufgenommen werden, um die frei laufende Curly Horses speziell auch der Native Nations nicht aus der Zucht zu verlieren.

Ein anderer Verband ist die ICHO (International Curly Horse Organisation). Hier sind auch hypoallergene Curly Foxtrotter, Mini-Curlies, lockige Curly-Mixe zu finden.

Curly Sporthorses sind in der Regel deutlich größer als die alten Linien und finden sich oft im CSI wieder, dem Curly Sporthorse International.

Diese drei Organisationen betreuen Curly Züchter aus der ganzen Welt.

Manche Züchter in Deutschland arbeiten auch mit den heimischen Pferdezuchtverbänden der Bundesländer zusammen (Spezialrassen).

Curly Horses und Pferdehaar-Allergie

Das hypoallergene Potential der Lockenpferde hat Dr. Mitlehner, ein Arzt und Allergologe aus Norddeutschland entdeckt und untersucht. Für viele pferdehaarallergische Menschen sind Curly Horses die einzige Möglichkeit, mit Pferden zu arbeiten und zu reiten. Dr. Mitlehner bietet auch eine medizinische Begleitung für Allergiker an.

Wissenschaftliche Studien zur Pferdeallergie mit Curly Horses der Praxis Dr. Mitlehner link