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Das Wollprojekt

Unsere Schafe werden im Frühsommer geschoren. Danach geht die Wolle an verschiedene kleine Betriebe, wo die Rohwolle nach alter Tradition und mit meist alten Maschinen handwerklich weiterverarbeitet wird. Die Wollen der verschiedenen Rassen haben unterschiedliche Eigenschaften, so dass sich auch die Verarbeiter darauf einstellen müssen. Da macht nicht jeder Betrieb mit und so ist die Herstellung von Wollprodukten von seltenen Schafrassen eine Kunst für sich.

Wir lassen unsere Waldschafwolle verarbeiten, dazu noch kleinere Posten von Wolle befreundeter Erhaltungszuchtbetriebe. Die Wolle wird in handwerklichen Kleinserien verarbeitet oder geht an Kunsthandweberinnen, die Unikate an z.T. historischen Handwebstühlen erstellen.

Natürlich kann die Wolle auch ganz einfach von Hand verarbeitet werden. Gerade die mischwollige Waldschafwolle eignet sich sehr gut zum Handspinnen und mit etwas Einsatz lassen sich auch sehr schöne Filze herstellen. Die Krainer Steinschafwolle hat mitunter recht kräftige Fasern und muss zum spinnen und filzen sehr gut sortiert sein. Die dicken Grannehaare können gar nicht verwendet werden, deren Anteil variiert von Tier zu Tier recht stark. Die feinere Unterwolle dagegen filzt wunderbar. Wie man auf den Fotos gut erkennen kann, sind Krainer Steinschafe oftmals gemustert, eine sehr "bunte" Rasse. Durch diese Mehrfarbigkeit lassen sich schöne, sehr lebendig gefärbte Produkte fertigen.

Rohstoffe und Wollwaren zum Verkauf finden Sie unter           

              Produkte

 

Wollevielfalt

Es gibt hunderte verschiedener Schafrassen und jede hat eine andere Wollqualität. Viele der Wollen von "bunten Schafe" werden nur in Spezialprojekten verarbeitet. Sie sind auf dem internationalen Textilmarkt nicht gefragt, werden aber gerade von Kunsthandwerker/innen wegen Farb-, Eigenschafts-, und Strukturvielfalt hoch geschätzt. Nicht jede Wolle ist für alles geeignet, doch gibt es fast für jeden Bedarf die richtige Faser - die Auswahl ist groß. Neben Schafwolle stehen Ziege, Kaninchen, Kamel, Alpaka u.v.a. zur Verfügung. Ohne die wärmenden Fasern dieser Tiere hätte die Menschheit wohl kaum die Eiszeiten überstanden. Wolle kann zudem bis zu 30% ihres Eigengewicht an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Daher bleibt man viel länger trocken und warm in Wolle als z.B. in Baumwolle.

 

Links eine Strickjacke aus Wolle vom dunklen Waldschaf, rechts ein Pullover aus Wolle vom Alpinen Steinschaf, Braunen Bergschaf und hellem Waldschaf. Beide Modelle handgesponnen und handgestrickt von Katrin Gorgas. Es wurden ausschließlich die natürlich gewachsenen Wollfarben verwendet.

Wenn man die Woll-Eigenschaften der verschiedener Rassen kennt, kann man entsprechend passende Produkte daraus herstellen (lassen). Von fein bis grob, von filzend bis nicht-filzend, von scheueranfällig bis strapazierfähig, von gekräuselt bis langwollig. Wolle für Unterwäsche sollte natürlich sehr fein und weich sein. Lodenwolle braucht eine gewisse Festigkeit und auch für Socken und Teppiche ist strapazierfähige Wolle besser als allzu weiche Haare die sich schneller durchscheuern. Außerdem verfilzen manche Wollen kaum während andere schon bei geringen Temperaturunterschieden schrumpfen. Je nach Produkt kann das eine oder das andere erwünscht sein.

Es gibt auch verschiedene Wolltypen auf einem Tier. Hier sind die Landschafe Weltmeister im Witterungsschutz: langes grobes Deckhaar lässt den Regen an der Oberfläche des Wollkleides ablaufen, feine weiche Unterwolle wärmt dich am Körper und bleibt auch bei Schmuddelwetter lange trocken. Im Winter liegt der Schnee auf der Wolle und das Schaf ist gut isoliert darunter eingepackt.

Am bekanntesten ist heute die Merinowolle. Sie stammt vom Merinoschaf, das viele Jahrhunderte in Spanien beheimatet war. Zwischen 1760 und 1800 wurden Merinoschafe nach Mitteleuropa gebracht und mit den dort einheimischen Rassen gekreuzt. Ziel war, die Wolle der heimischen Landschafe zu verfeinern. Die erste Verdrängung der einheimischen Landrassen begann. Restpopulationen konnten sich vor allem in entlegenen Gebieten halten.

Nach 1945 wurde die Zucht von Wollschafen allmählich immer uninteressanter: Nach der Baumwolle eroberte Kleidung aus Kunstfaser den Weltmarkt. Große Schäfereien leben immer weniger von der Wolle sondern von der Lammfleischvermarktung - gezwungenermaßen. Verbreitet werden nun auch Fleischschafe gezüchtet.   

Um 1970 stehen die meisten der alten Rassen nahe dem Aussterben. Waldschaf, Steinschaf, Pommernschaf, Skudde, Leineschaf, Bentheimer Landschaf, Walachenschaf, Zackelschaf, Bündner-Oberländer-Schaf, Drenter Heideschaf etc. Für einige hat sich die Situation wieder etwas verbessert (z.B. Rhön- und Fuchschaf), viele andere Rassen sind aber immer noch stark gefährdet und wir haben Populationen von nur noch 500-1500 reinrassigen Tieren in Deutschland bzw. den Ursprungsländern. Auch die Zucht ist entsprechend aufwendig. Die Wolle dieser Tiere wurde meist "entsorgt", d.h. weggeworfen. Was für eine Verschwendung von wertvollem, ökologischen, nachwachsenden Rohstoff.

Mehrere Erhaltungszuchten bemühen sich, die Wolle der alten Rassen wieder in den Kreislauf zurückzuführen, neue Produkte zu kreieren und einen Markt für diese Waren zu entwickeln. Die größten Schwierigkeiten bestehen darin, verarbeitende Betriebe zu finden, die mit den kleinen Mengen, die wir mit den seltenen Schafrassen liefern können, klar kommen. Der Aufwand und die Stückkosten sind dementsprechend höher. Außerdem muss alles vorfinanziert werden, was für die kleinen Projekte einen erheblichen Finanzstau bedeutet. Die Produktvielfalt aus der Wolle der alten Rassen wächst aber mit jeder Saison und immer mehr Menschen begeistern sich für die schönen individuellen Wollwaren.

Waldschafwolle

Waldschafwolle ist gröber als Merinowolle. Auch ist deutsche Merinowolle gröber als die aus Australien. Das liegt auch am Klima, nicht nur an der Rasse. Wer also permanent nach weicher superflausch Wolle zum Billigpreis Ausschau hält, fördert die Australmerino-Wollproduktion mit chemischer super-wasch-Ausrüstung. Wer das nicht will, kann Alternativen finden. Waldschaf-Wolle ist kaum geeignet für Unterwäsche. Aber toll für stabile Socken und sie verfilzt auch nicht bei 40 Grad. Auch ohne super-wasch. Sie schrumpft aber etwas. Deshalb wurden alle Socken bei 40 Grad vorgewaschen. Empfohlen wird die Wäsche von Hand bzw. handwarm/ 30 Grad einer Waschmaschine mit gutem Wollwaschprogramm. Bei stärkerer Verschmutzung gut einweichen lassen. Wer Waldschafwolle verfilzen lassen will (Strickfilzen) sollte 2x bei 60 Grad waschen, eventuell 2-3 Tennisbälle beigeben, dann kappt es.

 

Bei der Arbeit... spinnen + weben mit Martina, Beate, Ute / SlowSchaf-Messe in Münsingen, 2012

 

 

Schafschur - Walter Mollenkopf und ein Krainer Steinschaf Wollernte - Bunte Schafe
Wollteppich handgefilzt und mit dem Pferd gewalkt von Martina Fischer und Nelli   Strickwolle vom Krainer Steinschaf - handgesponnen von Karin Hanawitsch

 

 

 

 

 

 

     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   handgesponnen und handgestrickt

 

  Weste vom Waldschaf, Detail (Beate Herold)

   Pulswärmer Steinschaf/ Waldschaf (Beate Herold)

 

Vegetarische Wolle

Viele Vegetarier und Veganer lehnen das Tragen von Wolle ab. Dazu möchte ich bemerken, dass es diverse Praktiken der "Tierproduktion" und leider auch der "Wollerzeugung" gibt, deren Praktiken ich nicht teile und auch nicht unterstütze. In der ArcheSchäferei wird aber keine Wolle produziert, sondern sie wächst eben. So wie meine Haare wachsen und ich auch ab und an zum Friseur gehe. Ich sortiere auch keine Tiere mit "minderwertiger Wolle" aus. Ich sortiere deren Wolle aus vor dem Verarbeitungsprozess. In kleinen Betrieben kann man das machen.

Die Auslesezucht ist generell eine Methode, die dem Tier an sich nicht schadet (Qualzuchten ausgenommen!). Sämtliche Nutzpflanzen sind durch Auslesezucht über Hunderte und Tausende von Jahren hin entstanden. Man kann die Rassen damit aber durchaus verändern. Wichtig ist, dass die Auslesekriterien artgerecht und rassegerecht sind. In einer Erhaltungszucht, die auf breite Genetik ausgerichtet ist, wird man aber nie nach einzelnen Faktoren auswählen. Es geht um die Erhaltung der gesamten Population in ihrer Vielfalt auch innerhalb der Rasse. Wenn man sich die Fotos der Waldschafe und Krainer Steinschafe anschaut, kann man das deutlich sehen.

Und dann taugt die ganze Sache durchaus. Manche haben das schone "vegetarische Wolle" genannt. Daraus lässt sich aber kein Anspruch auf bestimmte Verfahrenstechniken ableiten.

Mit ist wichtig, dass die Schafschur ruhig und entspannt vor sich geht und weder der Mensch noch die Tiere unnötig Stress bekommen. Dann dauert eben alles etwas länger. Etwas Aufregung lässt sich nicht vermeiden, denn kein Herdentier will von der Gruppe separiert werden. Wird die Schur anständig durchgeführt, sind die Tiere unverletzt, von der warmen Wolle befreit und sie kommen nach wenigen Minuten wieder vertrauensvoll zu uns. Sie genießen es, nach dem langen Winter unter dem Wollpelz nun wieder frische Luft an den Leib zu bekommen. Vielen Dank an Walter Mollenkopf, Kerstin Rodenberg und Olli Junker Matthes, unsere freundlichen Schafscherer!

   

  Schafschur - mit Beate Herold

Olli Junker-Mattes hat mit seiner Familie 2008 beim SWR3 Steinzeit-Experiment mitgemacht.

In der Jungsteinzeit vor ca. 6000 Jahren begegnete die Gesellschaft von Jägern und Sammlern den ersten Hirtenvölkern, die mit Schafen und Ziegenherden von Ort zu Ort zogen. Mehr zum Steinzeitprojekt gibt es hier